SIEMER-SIEGL-FÜREDER & PARTNER RECHTSANWALTSKANZLEI

SVAX-Pionier Dr. Michael Breitenfeld, Partner der Wiener Rechtsanwaltskanzlei Siemer-Siegl-Füreder & Partner im Gespräch.
www.ssfp-law.at
„Es ist ihr gutes Recht anspruchsvoll zu sein“
Im aktuellen FORMAT Ranking der österreichischen Top-Anwälte erscheint der Name Michael Breitenfeld in den Top 10. Im Bereich „Vergaberecht“ ist Dr. Breitenfeld die Nummer Eins in Österreich.
Vertrauen durch Beziehungsbildung? Wie bauen Sie eine vertrauensvolle, wirtschaftliche Beziehung auf?
Ich bin der Überzeugung, dass das Vertrauen des Klienten in seinen Anwalt den entscheidenden Erfolgsfaktor darstellt. Das Vertrauen sollte sich aber nicht nur auf die fachliche Qualifikation beschränken, sondern auch beinhalten, dass einem der Anwalt einen „menschlichen“ Rat gibt. Meine Erfahrung hat mich gelehrt, dass beispielsweise bei Eherechtsangelegenheiten aufgrund von erlittenen Kränkungen zuerst der „Kampf“ gegen den Partner im Vordergrund steht; Klienten sind später aber oft sehr dankbar, wenn ihr Anwalt trotzdem behutsam vorgeht und eine gewisse Gesprächsbasis zwischen den Streitteilen aufrecht erhält.
Zwei Schritte zurück = drei nach vorne? Beschreiben Sie bitte eine Situation, bei der Sie mal rückwärts denken mussten, um vorwärts zu kommen?
Vor einigen Jahren vermeinte ein Jurist unserer Kanzlei kurzfristig unter Abwerbung zweier Mitarbeiter unsere Kanzlei verlassen zu müssen. Zuerst war ich über dieses Verhalten enttäuscht und besorgt, dass dieser auch versuchen wird, Klienten bzw Mandate unserer Kanzlei abzuwerben. Ich habe daraufhin diejenigen Klienten, welche von diesem Juristen betreut wurden, kontaktiert und ihnen ganz offen die Situation erklärt. – Kein einziger dieser Klienten hat das Mandat zu unserer Kanzlei beendet. Positiv war für mich, dass ich sehr schnell neue Mitarbeiter gefunden habe, durch deren Loyalität das betroffene Team sehr rasch noch erfolgreicher wurde.
Langfristige Beziehung oder wirtschaftlicher One Night Stand? Wie erfahren Sie, auf was Ihre Mandanten stehen? Ich bin der Überzeugung, dass man sich als Anwalt positionieren muss. So wie es erhebliche Unterschiede zwischen einem Unfallchirurgen in einem Krankenhaus neben der Autobahn, einem Allgemeinmediziner in einer Landpraxis und einem Professor für interne Medizin auf einer Universitätsklinik gibt, so gibt es auch bei Anwälten große Unterschiede. Da unsere Kanzlei Klienten jahrelang, viele sogar jahrzehntelang, betreut und an engen Klientenbeziehungen interessiert ist, würde es keinen Sinn machen, Mandate von Klienten zu übernehmen, die nur an einem kurzfristigen und zumeist auch rücksichtslosen Erfolg interessiert sind. Aus diesem Grund empfehle ich bei Erstgesprächen, wenn ich spüre, dass die Chemie nicht stimmt, dass sich mein Gesprächspartner einen anderen Anwalt sucht. Ich gehe sogar so weit, dass ich oft einen anderen Kollegen oder eine andere Kollegin empfehle und für das Gespräch kein Honorar verzeichne. – Das erspart mir so manchen Ärger und dem potentiellen Klienten einen gewissen „Frust“, dass seine Interessen nicht in der Art vertreten werden, die seinem Wunschdenken entsprochen hätten.
Kooperation unter Konkurrenten? Ist das für Sie ein Widerspruch, oder Gebot der Stunde?
Ich bin Vorsitzender der ältesten Wiener und damit vermutlich auch österreichischen Anwaltsvereinigung. Aus diesem Grund führe ich sehr viele Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen. Da ich mich in meiner Anwaltstätigkeit auf das Gebiet der öffentlichen Auftragsvergabe spezialisiert habe, welches von vielen Kolleginnen und Kollegen nicht betreut wird, erhalte ich immer wieder Mandate über Empfehlungen aus dem Kollegenkreis. Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, dass ich den Klienten nur im Rahmen des mir übertragenen Mandats betreue und nicht versuche, diesen von dem Kollegen, der mich empfohlen hat, abzuwerben. Nach meiner mehr als 20-jährigen Anwaltstätigkeit gelange ich immer mehr zu der Überzeugung, dass die Einhaltung ethischer Grundsätze für einen Anwalt nicht Schwäche bedeutet, sondern eine Stärkung des Vertrauens in seine Person. – Das scheint mir das wichtigste Kapital zu sein.
